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zurich old town
NIEDERDORF / OBERDORF



stadtkreis 1 / city district 1 / 1er arrondissement
ALTSTADT
(OLD TOWN / VIELLE VILLE)
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last update: 20.2.2010


winkelwiese / trittligasse


Theater an der Winkelwiese Zürich
zerstörte harald nägeli
street art an der
winkelwiese


die villa tobler wird
1852-1855 im
klassizistischen stil
erbaut


1898-1900 wurde das
haus durch einen turm
und flügelanbauten
ergänzt




1951 kauft sie der
immobilienriese
ernst göhner - um
sie abzureissen


er muss sich
allerdings noch
etwas gedulden,
denn laut
kaufvertrag darf das
haus erst 1958
abgebrochen
werden.


stadtrat sigi widmer macht
sich stark für göhner und
behauptet, der neubau
werde "eine natürliche
relation zum baukörper des
neuen kunsthauses
herstellen."



die nzz (neue
zürcher zeitung)
kämpft natürlich an
göhners seite. und
beschimpft im
februar 1960 die
abbruch-
gegnerinnen als
"altstadtsektierer"


so wie in zürich
lange zeit wertvolle
häuser den
profitinteressen der
geldvampire zum
opfer fielen (und
fallen), so fällt in
zürich auch
wertvolle street art
dem spiessergeist
und seiner
kontrollwut zum
opfer


diese seite zeigt
ein bauwerk, das
dank einer
protestbewegung
aus den klauen der
zürcher polit- und
wirtschaftsmafia
gerettet werden
konnte


und ein beispiel
zeitgenössischer
street art von
meisterhand an
seiner
umfassungsmauer
an der trittligasse


villa tobler


harald naegeli street art bei
der villa tobler


harald nägeli ist
ein zürcher
sprayer und
künstler, der
weltweit
geachtet, aber
in seiner
heimatstadt
zürich noch
immer geächtet
und
totgeschwiegen
wird


von häusern und menschen:


göhners abbruch-
und neubaupläne
lösen proteste in der
bevölkerung aus. die
leute wehren sich für
das haus und gegen
die verschandelung
des quartiers durch
einen viereckigen
klotzbau


an ihrer stelle will er
einen viereckigen
büroklotz errichten
die villa tobler ist
ein beispiel dafür,
wie sich früher geld
wenigstens noch
mit geist verband
um kunstvolle
bauwerke zu
schaffen


in der baukunst der
letzten 50 jahre bis
heute paart sich
geld mit
geistlosigkeit und
bringt sterile,
fantasie- und
seelenlose bunker
hervor




auch die einmaligen
art-nouveau-malereien
und der jugendstil-
innenausbau wurden
um 1900 geschaffen
winkelwiese zürich - rechts die umfassungsmauer der villa tobler (hier
wollten sie die einfahrt zur tiefgarage des büroklotzes bauen...


gemeint ist der 1954
erstellte viereckige
anbau zum kunsthaus
am hirschengraben -
gestiftet vom
waffenfabrikanten
emil georg bührle...




dass der neubau
das ganze
quartier an
winkelwiese,
trittligasse und
frankengasse
verschandeln
würde,
verschweigt
widmer


trotzdem wächst die
opposition - und
göhner kriegt kalte
füsse - denn es droht
eine motion
stadtrat von zürich 1962-1982. für
die jugend, ihre kultur und ihre
anliegen hat er kein gehör


er muss es
auch nicht: die
leute wissen
ohnehin, dass
es hier um
reine geldgier
geht



am ende erklärt er
sich zu einem
tauschhandel bereit.
und so erwirbt die
stadt zürich im jahr
1963 die villa tobler


er erntet dafür fette krawalle
(während den jugendunruhen 1968 ist
er stadtpräsident)


er ist auch 1980 noch im amt. und
hat nichts dazu gelernt



und noch einmal ernten er und die
anderen betonköpfe in zürich fette
krawalle. der aufstand der jugend
dauert 2 jahre, erregt weltweites
aufsehen und verwandelt die stadt
zürich in ein schlachtfeld und einen
scherbenhaufen


die jugendlichen nennen ihn "sigi
the piggi" ("schweinchen sigi")


als letzte amtshandlung befiehlt er
im märz 1982 den abbruch des
AJZ ("autonomes jugendhaus
zürich") in einer nacht- und
nebelaktion




und wieso ein
neubau in der über
jahrhunderte
gewachsenen
altstadt eine
'relation' zu einem
grauen bunker am
hirschengraben
herstellen sollte
anstatt sich in sein
eigenes quartier
einfügen, kann er
auch nicht erklären


winkelwiese


winkelwiese


villa tobler


heute ist darin u.a.
das theater an der
winkelwiese


der parkartige garten
der villa tobler ist für
die öffentlichkeit frei
zugänglich


ebenso wie dieses
harald nägeli graffiti,
das im dezember
2009 an der
umfassungsmauer der
villa tobler (trittligasse-
seite) auftaucht


zueri-graffiti.ch proudly presents - zu weihnachten 2009:
SIGI WIDMER


ERNST GÖHNER


gründer des
baukonzerns ernst
göhner ag. der
konzern errichtet vor
allem in den 50er und
60er jahren ganze
trabantenstädte in
plattenbauweise (z.b.
volketswil, benglen,
adlikon bei
regensdorf)


ernst göhners konzern
heisst heute "göhner"
und ist teil des mega-
baukonglomerats
implenia.
die wohnsilos werden
meist in die grüne
landschaft gestellt
HARALD NÄGELI


harald nägeli ist der vater
der europäischen
sprayerbewegung, der
gründer der europäischen
graffitiszene
seine filigranen street art
figuren von 1977 bis
2009 sind werke von
kulturgeschichtlicher
bedeutung


die verfolgung seiner
werke und seiner person
durch die zürcher
behörden
(gefängnisstrafe,
entschädigungsforderung
en) haben mit dazu
beigetragen, dass er zu
einer modernen
symbolfigur geworden ist


mehr zum thema
harald nägeli hier:


detailansicht des mosiakbrunnens im garten
der villa tobler


streetart tag von
heute, ebenfalls
im garten der villa
tobler


villa tobler


villa tobler


villa tobler


hinter den reinen
zweckbauten meist
viereckiger art
steht der wunsch,
mit billigen
materialien das
schnelle geld zu
machen


die resultierende
sterile uniformität
legt zeugnis ab von
einer seelisch-
geistigen
verarmung


das reale tsüri...
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hier residiert auch
die ehrenwerte
direktion des
kunsthauses zürich.
sie ist ja
bekanntlich
besonders
"aufgeschlossen"
gegenüber harald
nägeli street art -
nicht wahr, herr
becker?


villa tobler


160 jahre alte buche im garten der villa tobler
was ist wohl eine
"natürliche" relation
zu einem
unnatürlich
viereckigern klotz?


immerhin ist das
viereck die einzige
form, die nicht in der
natur vorkommt und
somit unnatürlich und
gegen die natur
gerichtet ist.


das spürt auch jeder
mensch in seinem
inneren, wenn er
nicht vom reinen
profit- und
zweckdenken
angefressen ist


"mein protest war
in erster linie ein
protest gegen die
uniformierung der
städte mit einer
unglaublich
monotonen
architektur"


- harald nägeli im
interview mit werner
raeune (2009)
(19.12.2009)
zueri-graffiti ist
keine jammerplatte.
wir dokumentieren
lediglich einige
aspekte der alten
zeit (deren letzte
jahre wir gerade
erleben)


genussvoll
registrieren wir den
untergang der
herrschenden
denkschemen,
finanz- und
machtstrukturen und
den abgang von der
geschichte der
leute, die sich davon
nicht lösen können
oder wollen


(19.12.2009)
nachtrag .... nachtrag ... nachtrag


zürich, 26. dezember 2009 - die stadt zürich
lässt auch über die weihnachtsfeiertage nichts
anbrennen und am 26. dezember 2009 ist die
harald-nägeli-figur liquidiert